Smart Home nachrüsten: Was geht – und was sich wirklich lohnt
Smart Home nachrüsten im Altbau und Bestandsbau. Was möglich ist, was es kostet und wann Sie einen Elektriker brauchen.
19. Februar 2026 · 5 Min. Lesezeit
Smart Home im Bestand: Mehr möglich, als Sie denken
Smart Home klingt nach Neubau, nach Kabel in jeder Wand und teurer Technik. Aber die Realität sieht anders aus: Die meisten Smart-Home-Systeme lassen sich auch in bestehenden Gebäuden nachrüsten — oft ohne einen einzigen Schlitz in der Wand. Entscheidend ist, dass Sie wissen, welche Lösungen im Bestand funktionieren und welche nur Ärger machen.
Funk oder Kabel: Die Grundsatzentscheidung
Funklösung: Schnell, flexibel, begrenzt
Funkbasierte Systeme (Zigbee, Z-Wave, WLAN, Bluetooth) sind die erste Wahl für die Nachrüstung. Gründe:
- Keine Bauarbeiten nötig. Schalter und Sensoren werden getauscht oder aufgeklebt.
- Schrittweiser Ausbau. Sie fangen mit einer Lampe an und erweitern bei Bedarf.
- Kostengünstig im Einstieg.
Die Grenzen: Dicke Wände (besonders Altbau mit Bruchstein) stören Funksignale. Bei mehr als 15—20 Geräten wird die Stabilität zur Herausforderung. Und: Funk ist abhängig von Batterien, Cloud-Diensten oder beidem.
Kabelgebundene Lösung: Zuverlässig, aber aufwendig
Systeme wie KNX oder Loxone setzen auf Kabel — ein eigener Bus-Draht verbindet alle Komponenten. Das Ergebnis ist zuverlässig, schnell und unabhängig von Funkverbindungen.
Im Bestand bedeutet das allerdings: Wände öffnen, Kabel ziehen, Wände schließen. Das lohnt sich, wenn Sie ohnehin sanieren. Für einzelne Räume ist es meistens zu aufwendig.
Unsere Empfehlung
Für die Nachrüstung: Starten Sie mit Funk. Wenn Sie größer planen oder ohnehin renovieren, lohnt sich ein kabelgebundenes System. Viele Systeme lassen sich auch kombinieren.
Was sich wirklich lohnt: Vier praktische Anwendungen
1. Lichtsteuerung
Der einfachste Einstieg. Smarte Leuchtmittel oder Unterputz-Dimmaktoren ersetzen den klassischen Schalter. Was Sie davon haben:
- Licht per Sprachbefehl oder App steuern
- Szenen erstellen (z. B. “Fernsehabend”: gedimmtes Licht, Rollläden runter)
- Licht automatisch ausschalten, wenn niemand im Raum ist
Kosten: 20—50 Euro pro smarter Lampe, 50—100 Euro pro Unterputz-Aktor. Für den Aktor brauchen Sie einen Elektriker — Arbeiten im Schalterdose sind nichts für Laien.
2. Heizungssteuerung
Smarte Thermostate ersetzen die klassischen Drehregler an der Heizung. Die Installation dauert fünf Minuten pro Heizkörper, Werkzeug brauchen Sie keins.
Was Sie davon haben:
- Heizung regelt automatisch herunter, wenn Sie das Haus verlassen
- Raumweise Zeitprogramme
- Ersparnis von 10—20 Prozent bei den Heizkosten — realistisch, nicht versprochen
Kosten: 50—80 Euro pro Thermostat. Amortisiert sich in ein bis drei Heizperioden.
3. Rollladensteuerung
Elektrische Rollläden lassen sich einfach smart machen — vorausgesetzt, die Rollläden haben bereits einen Motor. Dann genügt ein Unterputz-Aktor hinter dem vorhandenen Schalter.
Was Sie davon haben:
- Rollläden fahren morgens automatisch hoch
- Im Sommer schließen sie sich bei direkter Sonne (Sensor nötig)
- Anwesenheitssimulation im Urlaub
Kosten: 50—80 Euro pro Aktor plus Einbau durch den Elektriker.
Wenn Ihre Rollläden noch manuell (Gurt) betrieben werden, ist die Nachrüstung aufwendiger: Rohrmotoren müssen eingebaut und Stromkabel zum Rollladenkasten gelegt werden. Hier lohnt sich das Gespräch mit dem Fachbetrieb.
4. Türkommunikation und Sicherheit
Smarte Türklingeln mit Kamera, Bewegungsmelder und Fensterkontakte lassen sich ohne Kabel nachrüsten. Eine sinnvolle Ergänzung, besonders für Häuser, die regelmäßig unbewohnt sind.
Was Sie vermeiden sollten
Zu viele verschiedene Systeme. Wenn die Lampen über App A, die Heizung über App B und die Rollläden über App C laufen, ist das kein Smart Home — das ist Chaos. Entscheiden Sie sich früh für ein zentrales System oder einen Hub, der verschiedene Protokolle zusammenführt.
Cloud-Abhängigkeit ohne Plan B. Wenn der Hersteller seinen Cloud-Dienst einstellt, funktioniert Ihr System nicht mehr. Achten Sie auf lokale Steuerungsmöglichkeiten — Systeme wie Home Assistant oder lokale Hubs bieten Unabhängigkeit.
Selbst an der Elektrik arbeiten. Smarte Leuchtmittel einschrauben? Kein Problem. Aber alles, was hinter der Abdeckung eines Lichtschalters passiert, gehört in die Hände eines Elektrikers. Das ist keine Übervorsicht, das ist gesetzliche Vorschrift — und es schützt Ihr Leben.
Was kostet die Smart-Home-Nachrüstung?
Die Spanne ist groß, weil der Umfang sehr unterschiedlich ist:
| Umfang | Kosten (Einfamilienhaus) |
|---|---|
| Einstieg (Licht + Heizung, 1—2 Räume) | 300—800 Euro |
| Mittlerer Ausbau (Licht, Heizung, Rollläden) | 2.000—5.000 Euro |
| Vollausstattung (alle Räume, Sicherheit, Kamera) | 5.000—15.000 Euro |
| Kabelgebundenes System (KNX/Loxone, bei Sanierung) | 15.000—30.000 Euro |
Wann Sie einen Elektriker brauchen
Nicht für alles — aber für mehr, als viele denken:
- Unterputz-Aktoren einbauen (Licht, Rollläden): Arbeiten an der Elektroinstallation sind Fachkraftsache.
- Neutralleiter prüfen: Viele smarte Schalter brauchen einen Neutralleiter in der Schalterdose. In Altbauten fehlt der oft. Nachrüsten ist möglich, aber nur vom Fachbetrieb.
- Neue Stromkreise: Wenn das bestehende Netz an seine Grenzen stößt.
- Systemplanung: Wer mehr als einzelne Geräte will, profitiert von einer durchdachten Planung.
Schritt für Schritt statt alles auf einmal
Unser Rat: Fangen Sie klein an. Ein smarter Raum zeigt Ihnen, ob die Technik zu Ihrem Alltag passt. Dann erweitern Sie gezielt.
Bei VÖGELE Elektrotechnik beraten wir Sie herstellerunabhängig. Wir zeigen Ihnen, was in Ihrem Gebäude möglich ist — und was sich für Ihre Situation tatsächlich lohnt. Kein Upselling, keine unnötige Technik.
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